Notenbibliothek

Die Notenbibliothek der Sing-Akademie ist eine der bedeutendsten Sammlungen mit Musikhandschriften des 18. Jahrhunderts. Sie umfasst etwa 280.000 Notenseiten, verteilt auf etwa 10.000 Werke, die in 4.800 Signaturen katalogisiert sind. Seit 2002, dem Jahr der Rückkehr aus der Ukraine, wohin sie 1945 als Beutegut von der Roten Armee verbracht worden war, wird die als „Archiv der Sing-Akademie“ bekannte Sammlung auf der Grundlage eines Leihvertrages bei der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz – verwahrt. Seit deren Gründung 2017 ist die Notenbibliothek Teil des Stiftungsvermögens der Stiftung Sing-Akademie zu Berlin.

Alte Notenbände liegend in Kisten gelagert
@ Rosa Frank

GESCHICHTE DES ARCHIVS

Die Notenbibliothek der Sing-Akademie geht in ihren Ursprüngen auf Carl Friedrich Christian Fasch zurück, den Cembalisten der Hofkapelle Friedrichs des Großen. Er gründete im Jahr 1791 die Sing-Akademie zu Berlin. Sein Nachfolger, der Goethe-Freund Carl Friedrich Zelter, baute die Notenbibliothek entschieden aus. Seither liegt ein Schwerpunkt auf Musikalien des 18. Jahrhunderts. Darunter die weltweit drittgrößte Sammlung an Werken von J. S. Bach und Familie – so auch das altbachische Archiv. Zahlreiche dieser Werke sind einzig hier überliefert, waren in Vergessenheit geraten oder sind bisher völlig unbekannt geblieben.

Im Jahr 1943 wurde die Sammlung nämlich aus dem von Bomben bedrohten Berlin nach Schlesien evakuiert. Seitdem galt sie als verschollen, bis Prof. Dr. Christoph Wolff (Harvard University) sie 1999 im Archiv für Literatur und Kunst in Kiew wiederentdeckte. Dorthin war die Bibliothek als Beutegut der Roten Armee gelangt. Im Dezember 2001 gab die Regierung der Ukraine das Archiv an die Sing-Akademie zurück, eine der aufsehenerregendsten Restituierungen von Beutekunst der Nachkriegsgeschichte. Etwa 280.000 Notenseiten, Autographe, Abschriften und einige seltene Notendrucke (überwiegend Erstdrucke mit handschriftlichen Widmungen und Anmerkungen u.a. von Beethoven, Mendelssohn und Goethe) kamen in 241 Kartons zurück in den Besitz der Sing-Akademie zu Berlin.

Seit der glücklichen Rückkehr kümmert sich die Sing-Akadmie intensiv um die Erhaltung, wissenschaftliche Erforschung, inhaltliche Erschließung, Katalogisierung, Veröffentlichung und Aufführung der Werke dieses Archivs.

ARCHIVLEITUNG

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Christian Filips

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Kurzvita
Christian Filips ist seit 2006 als Programmleiter und Dramaturg für die Sing-Akademie zu Berlin tätig. Nach dem Besuch einer Europäischen Schule in Belgien studierte er Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft an der Universität Wien und an der Freien Universität Berlin. Seit 1998 arbeitet Filips als freier Autor und Übersetzer, in den letzten Jahren vermehrt auch als Regisseur. Für seine literarischen Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Rimbaud-Preis des Österreichischen Rundfunks. Inszenierungen, Aktionen, Konzert- und Theaterarbeiten waren u.a. am Berliner Ensemble, im Haus der Berliner Festspiele und am Staatstheater Darmstadt zu sehen. Daneben publizierte er Beiträge zur Berliner Musikgeschichte um 1800 und widmete sich der Wiederentdeckung vergessener Komponisten des 18. Jahrhunderts.