Stiftung

Die Stiftung bewahrt eine der bedeutendsten Sammlungen mit Musikhandschriften des 18. Jahrhunderts. Sie umfasst etwa 280.000 Notenseiten, verteilt auf etwa 10.000 Werke, die in 4.800 Signaturen katalogisiert sind. Seit 2002, dem Jahr der Rückkehr aus der Ukraine, wohin sie 1945 als Beutegut von der Roten Armee verbracht worden war, wird die als „Archiv der Sing-Akademie“ bekannte Sammlung auf der Grundlage eines Leihvertrages bei der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz – verwahrt.

Notenbibliothek der Sing-Akademie

Gründung der Stiftung

Am 24. Mai 2017 – im Rahmen der Feierstunde zum 226. Gründungstag der Sing-Akademie zu Berlin – errichtete der eingetragene gemeinnützige Verein Sing-Akademie zu Berlin die Stiftung Sing-Akademie zu Berlin.

Eingedenk des ihnen anvertrauten Kulturerbes hatten die Mitglieder des Sing-Akademie zu Berlin e.V. bereits 2009 die Errichtung einer Stiftung und die Einbringung ihres kulturgeschichtlich bedeutenden Vermögens beschlossen. Der Vorstand wurde beauftragt, die Gründung der Stiftung so vorzubereiten, dass sie umgesetzt werden konnte, sobald die wesentlichen Fragen um das Vermögen der Vereinigung geklärt waren.

Der Stifter Sing-Akademie zu Berlin e.V. stattete die Stiftung mit umfangreichem Vermögen aus. Der Verein brachte die unschätzbare Noten-Bibliothek, das Archiv der Sing-Akademied – eine der wohl bedeutendsten Privat-Sammlungen historischer Musikhandschriften überhaupt -, die weiteren Sammlungen kulturhistorisch bedeutender Gegenstände, die im Laufe der Jahrhunderte in den Besitz der Sing-Akademie gelangt waren und das Haus der Sing-Akademie am Kastanienwäldchen, das heutige Gorki-Theater, in die Stiftung ein.

Die Stiftung soll das ihr übertragene Vermögen dauerhaft sichern, bewahren und für gemeinnützige Zwecke im Geiste der Gründungsidee der Sing-Akademie zu Berlin nutzbar machen. Sie hat darüber hinaus die Aufgabe, das Bewusstsein für die Geschichte und Gegenwart der Sing-Akademie zu Berlin zu befördern sowie die Realisierung musikalischer Projekte, insbesondere des Chorgesangs zu unterstützen.

Der Stifter: Sing-Akademie zu Berlin e.V.

Die 1791 gegründete Sing-Akademie zu Berlin gilt als weltweit älteste Gesellschaft zur freien bürgerlichen Pflege der Chormusik. Sie stand von Beginn an im Zeichen einer Konfessionen, Berufe, Stände, Altersstufen und Geschlechter übergreifenden Form der Kunstausübung. Das Zentrum bildete dabei stets die in der Renaissance begründete und bis in die Gegenwart fortlebende Tradition des mehrstimmigen Gesangs. So verwirklichte die Sing-Akademie zu Berlin die aus dem Geist der Berliner Aufklärung hervorgegangene Idee eines „Kunstvereins für die heilige Musik“. Sie wurde Vorbild und Muster einer Bewegung, die – von Preußen ausgehend – Verbreitung in die ganze Welt fand und bis heute eine tragende Säule der kulturellen Überlieferung und musikalischen Bildung breiter Bevölkerungskreise bildet.

Im Laufe ihrer reichen und langjährigen Geschichte hat die Sing-Akademie zu Berlin außergewöhnliche Güter und Besitztümer erworben, neben Kunstgegenständen, Gemälden und Büsten (u.a. von Rauch und Schadow) vor allem eine bedeutende Notenbibliothek mit Autographen und Drucken (u.a. von Beethoven, Goethe, Zelter und der gesamten Bach-Familie) sowie das von der Institution selbst errichtete Haus am Kastanienwäldchen. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Teilung wurden der Sing-Akademie zunächst große Teile ihres Besitzes entzogen; die Notenbestände mussten als verschollen, das Haus als verloren gelten. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands konnte indes vieles zurück gewonnen werden. Große Teile des Notenarchivs wurden im Jahr 1999 in Kiew aufgefunden und 2001 von der Regierung der Ukraine an die Sing-Akademie zu Berlin zurück gegeben. Diverse Mobilien fanden sich in anderen Sammlungen und Archiven und wurden der Sing-Akademie ausgehändigt. Die komplizierten Fragen um Eigentum und Nutzung des Hauses am Kastanienwäldchen (heute: Gorki-Theater) wurden geklärt.

Aufsicht auf ein schönes Detail eines historischen Notenblattes
@ Rosa Frank